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2000 Kilometer mit Elektroauto – ohne Nachladen!

Bild: picture alliance / dpa.

Die deutsch-amerikanische Firma Neutrino Inc. will eine Technologie entwickelt haben, mit der Elektroautos mehr als 2.000 Kilometer zurücklegen können – und das ohne Nachladen. Das wäre fünfmal weiter, als bisher. Der Mathematiker und Neutrino-Geschäftsführer Holger Thorsten Schubart geht sogar noch weiter: „Zusätzlich lädt sich die Batterie durch eine Kombination von Neutrino- und Nanotechnologie nach einer gewissen Zeit von selbst auf.“

„Einen neuen Maßstab setzen“

Damit könnte die Suche nach einer Stromtankstelle für E-Mobil-Fahrer der Vergangenheit angehören. Allerdings räumt Schubart ein, dass der Wiederaufladevorgang zunächst langsamer läuft, als über eine Steckdose. Die Wunder-Batterien wiegen derzeit noch zwischen 500 und 600 Kilogramm, was rund einem Drittel des Fahrzeuggewichtes entspricht. Das ist noch zu viel für den Serienbetrieb. „An kürzeren Selbstladezeiten sowie an einem niedrigeren Gewicht arbeiten wir noch“, verspricht Firmenchef Schubart. „Das wird eine Revolution und der ganz große Durchbruch für die Elektroautobranche! Damit werden wir alle entscheidenden Parameter der Elektromobilität durchrütteln und einen neuen Maßstab setzen“, so Schubart weiter. Bereits in zwei bis drei Jahren will Neutrino Inc. einen entsprechenden Akku auf den Markt bringen. Das Geheimnis hinter der neuen Technologie bleibt aktuell aber noch verschlossen. Vorher sollen in wenigen Wochen die letzten patentrechtlichen Fragen geklärt werden.

Mit Neutrinos fährt das Elektroauto länger

Ein paar Einzelheiten gibt Schubart dann aber doch preis: „Es geht um die Erzeugung von Energie durch Neutrinos.“ Neutrinos sind elektrisch neutrale Elementarteilchen mit sehr geringer Masse, die jedoch in Wechselwirkung mit Materie große Energiemengen freisetzen können. „Unsere Technologie basiert nun auf der Nutzung der Neutrino-Strahlung, die von der Sonne erzeugt wird“, erläutert Schubart. Deutsche Physiker zweifeln stark an der potenziellen Revolution. Dass mit Neutrinos ausreichend große Energiemengen produziert werden können, „halte ich für sehr dubios“, so ein Physik-Experte für alternative Energien, der nicht mit Namen genannt werden möchte. Stefan Recksiegel, Physiker an der Technischen Universität München, hält die Möglichkeiten der neuen Technologie für „völlig ausgeschlossen! Neutrinos wechselwirken so extrem schwach mit Materie, dass das völlig unmöglich ist“, erklärt der Physiker. Derartige Strahlungen wurden bislang in ganz anderen Größenordnungen beobachtet. „Den größten Neutrinofluss auf der Erde bekommt man in der Nähe von starken Kernreaktoren“, erklärt Recksiegel. „Selbst dort sieht man in tonnenschweren Reaktoren nur ein paar Hundert Reaktionen pro Tag. Das sind ganz viele Größenordnungen zu wenig, um auch nur eine LED leuchten zu lassen, vom Aufladen von Akkus ganz zu schweigen.“ Tobias Lachenmeier vom Physikalischen Institut an der Universität Tübingen hält das Neutrino-Projekt ebenfalls für unrealistisch: „In den gegenwärtigen Neutrinoexperimenten sind sehr große Detektoren nötig – von einigen Tonnen Detektormaterial bis zu einem Kubikkilometer Eis im Experiment „Icecube“ –, um überhaupt Neutrino-Signale in nennenswerter Anzahl nachzuweisen.“ Die Energiemengen, die dabei eine Rolle spielen, seien extrem klein „im Vergleich zu dem, was man bei den genannten technischen Anwendungen brauchen würde.“

Physiker zweifeln an der Entwicklung

„Zahlreiche renommierte Physiker aus unterschiedlichen Epochen haben bestimmte Phänomene, die heute längst nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken sind, für unmöglich gehalten“, entgegnet Neutrino-Chef Schubart. Wirklich neu ist die Idee des Konzerns nicht: Schon vor 100 Jahren soll der Physiker Nikola Tesla, nach dem sich auch der Elektroauto-Hersteller Tesla Motors benannt hat, die damals noch unbekannte Strahlung genutzt haben. Der große Durchbruch sei aber erst jetzt den Neutrino-Wissenschaftler gelungen. Das Entwickler-Team spricht von einem „Zufall“, bei dem man „entdeckte, dass die  physikalischen Eigenschaften der Strahlung zur Optimierung bereits bestehender Systeme verwendet werden können.“

An manchen Stellen klingt die Story von Neutrino Inc. zu schön, um wahr zu sein. So hätten im Jahr 2010 Forscher am Südpol erstmals winzige Neutrinoteilchen nachgewiesen, die mit einer Energie von bis zu 1.000 Teravolt durch den Kosmos reisten und dabei ganze Planeten durchquerten. Ihr Ursprung wird in der Sonne, Pulsaren oder auch schwarzen Löchern in anderen Galaxien vermutet. Der Zusammenhang mit Neutrino Inc.: „Während andere nach der Herkunft suchen, will die Neutrino Inc. die unsichtbaren Energieträger einfangen, um Energie zu erzeugen“, schreibt die in Berlin beheimatete Wirtschafts-Website mmnews.

Auch Smartphones und Laptops von der Energie-Revolution betroffen

Neutrino Inc. denkt aber noch weiter und größer: Laut Schubart ist das Elektroauto nur der Anfang in einer Welle von Innovationen. Mit Hilfe der Neutrinostrahlung plane sein Unternehmen weitere bahnbrechende Entwicklungen in anderen Bereichen. Darunter befindet sich unter anderem die autarke Stromversorgung ganzer Haushalte mit einem unterirdischen „Power Cube“, also einem „Energiewürfel“. Dieser sei anders als Solarzellen und dank der Neutrinostrahlung nicht von einer direkten Sonneneinwirkung abhängig. Zudem die kabellose Ladung und Stromversorgung von Akkus für Handys, Laptops und Tablets. Ein solches Ladesystem, dass allerdings mit Induktion arbeitet, gibt es bereits. Auch diese Entwicklungen sollen in den kommenden Jahren vermarktet werden, verspricht das Unternehmen. „Die Arbeit an den Prototypen läuft bereits“, sagt Schubart.

Mehr in der Pressemitteilung des Unternehmens.


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