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Simulation zeigt möglichen Sieg über Ebola

Bild: picture alliance / abaca

Bis Januar nächsten Jahres könnte die Zahl der Infizierten und Toten durch das Ebola-Virus auf eine halbe Million angestiegen sein. Bislang ist unklar, ob die drastisch aufgestockten Hilfsprogramme ausreichen, um den gefährlichen Erreger zu stoppen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat vier Schritte veröffentlicht, mit denen die Verbreitung des Virus beendet werden soll. Sie wollen einen wirksamen Schutz für Krankenhauspersonal, die Quarantäne von Kontaktpersonen Infizierter, die Isolierung Infizierter und hygienische Beerdigungen erreichen. Eine aufwendige Simulation der Ebola-Ausbreitung in Liberia zeigt jetzt, welche Methoden besonders wirksam sind.

Beerdigungen sind „Superverbreiter“ von Ebola

Die Modellberechnungen von Wissenschaftlern aus den USA und Liberia kommen zu dem Schluss, dass die rituellen Beerdigungen das größte Problem sind. Im Artikel des Fachmagazins „Science“ schreiben die Forscher von einem „Superverbreiter“ („super-spreader events“). Die traditionellen Beerdigungen würden die Ausbreitung des tödlichen Virus überproportional fördern. Denn in Westafrika werden Leichen vor Bestattungen oft gewaschen, von Angehörigen berührt und geküsst. Die Toten sind besonders infektiös, weil die Menge an Viren in ihrem Blut sehr hoch ist. „Es ist unumgänglich, dass die Ansteckung bei Beerdigungen gestoppt werden muss“, sagt Medlock. Die von der WHO empfohlenen Schutzmaßnahmen bei Beerdigungen – eine Desinfizierung der Leichen und eine Beerdigung in einem dichten, ebenfalls desinfizierten Sack – reichten allerdings allein nicht aus. Erst durch die Kombination aller vier von der WHO empfohlenen Schritte würden zum Erfolg führen.

Quote von 60 Prozent ist ausreichend

Laut Berechnungen der Forscher steckt ein Infizierter durchschnittlich 1,63 Menschen an. Erst wenn diese Zahl unter eins gedrückt werden kann, geht die Zahl der Neuinfektionen langsam zurück. Das Modell ermöglichte den Forschern zu berechnen, wie sich die einzelnen Maßnahmen auswirken. Allein durch das Verhindern von Neuansteckungen in Krankenhäusern könnte die sogenannte Basisreproduktionsrate von 1,63 auf 1,48 sinken. Das wäre aber noch viel zu wenig, denn die Zahl der Infizierten würde weiterhin exponentiell steigen. Wenn zudem die Infektionen außerhalb der Krankenhäuser eingedämmt würden, läge die Rate bei 1,16. In ihrem Modell berücksichtigen sie auch, dass keine der vier Maßnahmen zu 100 Prozent umgesetzt werden kann. Um die Zahl der Neuinfektionen in Liberia binnen sechs Monaten auf weniger als fünf pro Tag zu drücken, würde bereits eine Quote von 60 Prozent in allen vier Fällen ausreichen.

Simulation ist nicht ganz sicher

Mögliche Schwächen sieht Dirk Brockmann vom Berliner Robert Koch-Institut in den vielen dafür notwendigen Parameter, wie beispielsweise die Wahrscheinlichkeit einer Infektion in einem Krankenhaus. Um diese Wahrscheinlichkeit berechnen zu können, mussten die verantwortlichen Forscher auf Daten eines früheren Ebola-Ausbruchs im Kongo zurückgreifen, weil aktuelle Zahlen nicht verfügbar waren. Leichte Störungen und fehlerhafte Annahmen könnten unter Umständen zu ganz anderen Ergebnissen führen, mahnt Brockmann. Dennoch glaubt der Berliner Modellierungsexperte, dass die Studie helfen kann, „neue Richtlinien zu entwickeln und die Effektivität verschiedener Maßnahmen wirklich auch quantitativ zu vergleichen“.

Mehr im Artikel des Fachmagazins Science.

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