Das Holodeck kommt….für Audio!

3D Kino ist Schnee von Gestern.

Dreidimensionale Musik ist das neue Unterhaltungsmedium? Also nicht ein 7.1 oder 5.1 Soundsystem sondern eben noch ein ganzes Stück mehr!
Mit MPEG-H wird die Tonwiedergabe revolutioniert! Zum ersten Mal wird es möglich sein Töne, Instrumente, Stimmen, Geräusche undsoweiter im Raum zu positionieren. Jeder Mensch hört im Raum etwas anderes als alle anderen, so als würden die Zuhörer mitten zum Beispiel im Orchester stehen. Es ist das Holodeck für Audio! Wenn wir heute schon Schallquellen zwischen zwei Kanälen wandern lassen können, ist es eben mit der neue Technologie möglich sie überall zu positionieren. Entwickelt haben die Technologie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Frauenhofer-Instituts für Digitale medien Technologie in Ilmenau, kurz IDMT. Das Fraunhofer-Institut hatte ja schon MP3 entwickelt, das ja die ganze Musikindustrie umgekrempelt hat. Jetzt kommt also die nächste Revolution!

Aber wie geht das?

Der Ursprung der Technologie liegt weit in der Vergangenheit zurück. Im Jahr 1678 notierte Christiaan Huygens, seinerzeits Physiker, die „Wellenfeld-Synthese“. Diese besagt, dass egal um welche Art von Wellefront es sich handle, diese mit Schallwellen-Interferenzen produziert werden könne. Ende der 80er des letzten Jahrhunderts fand Professor Guus Berkhout dann folgendes heraus: Ein sogenanntes „räumliches Wellenfeld“ entsteht bei der Interferenz von Schallwellen. D.h. mit den einzelnen angepassten Wellen kann man das Wellenfeld räumlich „steuern“. Im Jahr 1678 oder Ende der 80er war das technisch nicht zu realisieren. Heute ist es möglich geworden. Leistungsstarke Computer können hochkomplizierte Algorythmen berechnen und eben genau diese können das Wellenfeld bzw. die „Schallwellenausgabe“ aus den Boxen bestimmen.

Bild: IDMT Ilmenau

Bild: IDMT Ilmenau

Die Praxis

In der Praxis sieht das folgendermaßen aus: Ihr müsst Euch einen Raum vorstellen in dem mehrere Boxen, ca. 100 Stück und ein paar Subwoofer, um euch herum befestigt sind. Das heißt an der Wand hängt Lautsprecher an Lautsprecher lückenlos. Alle sind mit einem Computer verbunden. Auf dem Computer ist eine Sofware installiert, die „MPEG-H“ Musikformate so auf die Boxen verteilt, wie Ihr es gerne hättet. Kleine Nebeninfo: Mit einem „MPEG Audio Layer 3“, also einem „MP3“ Format, würde das nicht gehen, da dieses auf eine dafür sehr niedrige und damit unbrauchbare Kanalanzahl beschränkt ist. Die Software steuert also die Musik/die „Schallwellenausgabe“. Dann gebt ihr noch ein paar Infos zu dem Raum, in dem ihr euch befindet, ein und schon kann es losgehen. Ihr steht jetzt, sagen wir mal, in der nördlichen Hälfte des Zimmers. Da ihr Fan von Instrumental Musik seit, wollt ihr die Sängerin/den Sänger nicht hören. Ihr wollt nur die Instrumente o.ä. hören. Einfach einstellen. Eure Freundin/euer Freund sitzt auf der Couch, die in der anderen Hälfte des Zimmers steht, und möchte die ganze Musik inkl. Sängerin/Sänger hören. Auch das könntet ihr dann einfach einstellen OHNE, dass ihr dann wieder den Gesang hört! Sensationell! Dabei wird halt nicht mehr der Schall aus den Lautsprechern konkret gehört, sondern das Schallwellenfeld am jeweiligen Standort. So kann durch die Lautsprecher und ihre Wellenüberlagerungen an verschiedenen Orten mitten im Raum ein völlig unterschiedliches Hörerlebnis geschaffen werden. Ich habe mir das selbst angehört und es ist absolut beeindruckend. Du hörst nicht die Richtung aus der der Schall kommt, sondern wirklich zum Beispiel eine Geige direkt neben dir. Hammer!

Völlig neue Möglichkeiten!

Mit der „Wellen-Synthese“ könnten sich so viele neue Möglichkeiten ergeben. Im Kino könnten Filme in unterschiedlichen Sprachversionen zur selben Zeit und im gleichen Saal abgespielt werden. Auf Messen könnten auf einer Bühne zwei Vorträge parallel abgehalten werden. Gut das ist jetzt vielleicht eine etwas seltsame Idee;) Die ganze Technologie kann natürlich nicht nur zu Unterhaltungszwecken dienen. Sie kann auch zur Sicherheit im Straßenverkehr beitragen. Wie? Den Verkehrsfunk bekommt die/der am Steuer zu hören und die Musik der Rest. Durch laute Musik wird der Fahrzeugführer also nicht mehr gestört. Diese Möglichkeiten sind zwar noch ein bisschen fiktiv ABER die ersten „MPEG-H“ Geräte könnte es schon 2020 zu kaufen geben. So sieht es zumindest Christoph Sladeczek. Sladeczek ist in der glücklichen Lage in einem sogenannten „Wave-Studio“, in Ilmenau, sitzen und arbeiten zu dürfen. Also die Technologie funktioniert, das ist Fakt.

Quellen:
http://www.idmt.fraunhofer.de/
http://www.idmt.fraunhofer.de/content/dam/idmt/de/Dokumente/Publikationen/Produktinformationen/Wellenfeldsynthese/WFS_DE.pdf
http://www.idmt.fraunhofer.de/de/Service_Offerings/products_and_technologies/q_t/spatialsound_wave.html
http://www.idmt.fraunhofer.de/de/Press_and_Media/press_releases/2015/zaraproduction_mit_SpatialSound_Wave.html
Mehr dazu:
http://www.welt.de/wissenschaft/article147715287/Neue-Akustik-Technologien-revolutionieren-den-Sound.html

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