Das Navi im Gehirn! – Nobelpreis für Medizin

Wo bin ich eigentlich? Ahja klar Berlin, Was geht ab?!-Studios. Aber, woher wissen wir, wo wir sind im Raum? Wie funktioniert dieser Orientierungssinn? Drei Neurowissenschaftler haben das herausgefunden und bekommen dafür dieses Jahr den Nobelpreis für Medizin. Heute, in Clixoom Science & Fiction.

Nobelpreis geht an drei Forscher

Wir Menschen haben eine Art „inneres GPS-System“, ein Navi, in unserem Gehirn, dass uns bei der Orientierung im Raum hilft. So können wir uns an Wege, die wir bereits gegangen sind, erinnern und von einem Ort zum anderen finden. Also laufen wir nicht nur der Nase nach, sondern tatsächlich zielstrebig auf ein Ziel zu. Ausgangspunkt der Forschung von John O’Keefe, May-Britt und Edvard Moser, so die Namen der drei Wissenschaftler, war die Frage, wie wir diese Orientierung überhaupt erhalten, wie das Ganze funktioniert. Daran arbeiten die Forscher übrigens schon lange. Den ersten Schritt dazu hat John O’Keefe schon im Jahr 1971 gemacht. Er fand bei Experimenten mit Laborratten heraus, dass spezielle Nervenzellen im Hippocampus, einem Bestandteil des Gehirns, immer dann aktiv war, wenn sich die Laborratte an einem bestimmten Ort befand. Sobald die Ratte an einem anderen Ort im Raum war, wurden andere Nervenzellen aktiviert.

Schlüssel des Ganzen ist der Hippocampus

Diese Erkenntnis war damals schon ein richtig großer Schritt. Und einige Jahre später formulierte der Neurowissenschaftler gemeinsam mit dem Psychologen Lynn Nadel von der University of Arizona in Tucson eine gemeinsame Theorie: Die Forscher vermuteten, dass der Raum im Hippocampus gespeichert wird. Mehr als drei Jahrzehnte später, im Jahr 2005, hat dann das norwegische Ehepaar May-Britt und Edvard Moser an der Universität in Trondheim diese Theorie bestätigen können. Sie haben eine Art Koordinatennetz im Hippocampus entdeckt, das aus sogenannten „Gitterzellen“ besteht. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Repräsentation von Raum in unserem Kopf. Bei der Ratte ist es so: Sobald sie eine Umgebung erkundet, entwickelt sich ein solches Gitter sehr schnell und bleibt stabil. Immer dann, wenn die Ratte eine bestimmte Entfernung zurücklegt, sind die Gitterzellen im Gehirn besonders aktiv. Verbindet man diese Punkte, ergibt sich daraus dann das Koordinatennetz, das vom Rattengehirn als mentale Karte genutzt wird. Das heißt im Gehirn wird der Raum durch Nervenzellen nachgebildet und anhand dieser dreidimensionalen Karte orientieren sich Lebewesen. Es funktioniert also tatsächlich wie ein 3D-Navigationsgerät.

Der Orientierungssinn bei Menschen

Beim Menschen ist es vermutlich das ausgeklügelte Wechselspiel Zehntausender solcher Nervenzellen, das für den Orientierungssinn verantwortlich ist. Die Studien der Mosers könnte in Zukunft vielen Alzheimer-Patienten helfen. Denn schon im frühen Stadium der Krankheit werden die Zellen im Hippocampus angegriffen, ein Grund, warum Alzheimer-Patienten meistens orientierungslos sind. Kritik ernten die Wissenschaftler allerdings von Tierschützern, wie der Organisation Peta. Sie kritisieren den unethischen Umgang mit den Versuchstieren und demonstrieren gegen die Vergabe des Preises. Allerdings kann ein Nobelpreis nicht aberkannt werden. Die Preisträger sind übrigens ziemlich überrascht von ihrem Erfolg beim Nobelpreis. Auf der offiziellen Website des norwegischen Nobelpreis-Komitees, welche die begehrten Preise vergibt, gibt es Telefoninterviews mit den drei Neurowissenschaftlern, die total verblüfft reagieren.


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