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Gefahr auf dem Meer – Monsterwellen

Monsterwellen gibt es viel öfter als gedacht

1909 SS Waratah vor der südafrikanischen Küste 211 Menschen sterben in dem Schiff, nachdem eine Monsterwelle das Schiff schwer beschädigt hatte und es zu mehreren Explosion kommt. Das wird aufgrund von mehreren Beobachtungen vermutet. 1978 Das Frachtschiff München nördlich der Azoren 28 Seeleute ertranken – Ursache: eine Monsterwelle. 1982 Die Bohrinsel Ocean Ranger im Nordwestatlantik 84 Bohrleute wurden beim Untergang der Plattform in die Fluten gerissen und ertranken. 2008 Der japanische Fischkutter Suwa Maru Nummer 58 östlich von Japan Nur drei Fischer überlebten. 2015 Der Frachter Cemfjord 8 Männer gehen mit dem Schiff unter. Eine Monsterwelle brachte das Schiff zum Kentern. Und die Reihe liesse sich wahrscheinlich beliebig verlängern – nur bei vielen verschwundenen Schiffen weiß man einfach nicht, was mit ihnen passiert ist. Die Augenzeugen sind alle tot. Monsterwellen könnten oft die Ursache sein.

Bis 1995 galten Monsterwellen oder wie Seeleute sie nannten Kaventsmänner als Seemannsgarn. Zwar erschien schon 1964 ein erster Fachartikel zum Thema. Und nur ein Jahr später entwickelte Alfred Osborne , Professor der Physik an der Universität Turin , eine Theorie und Berechnungsmethode für das Phänomen. Er wandte die quantenmechanistische Schrödingergleichung an, um die nichtlineare Ausbreitung der Wellen zu beschreiben. Doch er verwarf diese Berechnungsmethode bis ja bis…. 1995 die wirklich erste Monsterwelle zweifelsfrei beobachtet werden konnte. Im Februar des Jahres wurde ein Lasersystem auf der Nordsee-Bohrinsel Draupner-E fündig. Während eines Sturms mit rund 12 Meter hohen Wellen wird eine Monsterwelle gemessen. Aus dem Nichts taucht eine 26 Meter hohe Welle auf. Die Existenz von Monsterwellen ist bewiesen.

Wie es zu Monsterwellen kommt, das ist inzwischen relativ gut untersucht. Langsame Wellen werden von schnellen Wellen überholt. Und wenn das besonders ungünstig geschieht, dann schaukeln sich die Wellen gegenseitig auf ein Vielfaches ihrer ursprünglichen Höhe auf. Aber wie oft das geschieht, war bisher unklar. Bisher. Jetzt haben Anne-Karin Magnusson vom Norwegischen Meterologioschen Institut und Mark Donelan von der University of Miami aus den USA das genauer untersucht und sind auf ein erschreckendes Ergebnis gestoßen. Dafür haben sie einen ganz bestimmten Sturm genauer untersucht, den Andrea-Strum. In der Nacht das 9.November 2007 tobt dieser Sturm über die Nordsee. Die Ekofisk-Plattformen messen mit ihren Lasersystem mehr als 13tausend Wellen. Die Analyse dieser Daten brachte jetzt das schier unglaubliche Ergebnis zu Tage: Monsterwellen entstehen weitaus öfter, als bisher vermutet. An jeder Stelle im Meer taucht alle drei Wochen eine Monsterwelle auf. In einem Sturm können es bis zu zwei am Tag sein.

Da wundert es schon, dass es mehrere hundert Jahre gedauert hat, bis die Beobachtungen von Seeleuten durch die Wissenschaft bestätigt werden konnten. Und das bei einem Phänomen, das direkt vor unserer Nase täglich stattfindet, wie wir jetzt wissen. Auf jeden Fall sollten sich jetzt Schiffbauer mehr Gedanken machen, wie sie unsere Schiffe sicherer machen können. Denn auch Kreuzfahrtschiffe, wie zum Beispiel die Bremen sind auch heutzutage noch betroffen. Das Schiff wurde am 22. Februar 2001 von einer 30 Meter hohen Monsterwelle getroffen. Eine halbe Stunde trieb es mit 40 Grad Schlagseite manövrierunfähig im Sturm auf See. Erst nachdem die Mannschaft einen Hilfsdiesel wieder zusammengebaut hatte, konnte das Schiff wieder einigermaßen flott gemacht werden und wurde dann als Havarist in den Hafen Buenos Aires geschleppt und repariert. Wäre der Mannschaft die Reparatur nicht gelungen, wäre die Bremen damals wohl untergegangen. Ertrunken wären dabei mehr als 200 Menschen. Ja, starker Tobak und kein Seemannsgarn diese Geschichte.

(Christoph Krachten)

Quellen:
http://www.ifremer.fr/web-com/stw2004/rw/fullpapers/draper1.pdf
http://www.nature.com/articles/srep44124
http://www.dlr.de/eoc/de/desktopdefault.aspx/tabid-7707/13134_read-35699/
http://www.zeit.de/2007/35/N-Freak-Waves/komplettansicht
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/schwere-see-monsterwellen-in-der-radarfalle-a-309722.html
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/monsterwellen-wueten-haeufiger-als-gedacht-a-1138224.html

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