Hacker-Angriff!

Rückgrat des Wissenschaftsjournalismus gehackt!

Bei Fachmagazinen oder Wissenschaftsportalen ist Glaubwürdigkeit natürlich eine wichtige Sache. Betrug oder die Übermittlung von falschen Informationen, das sollte es nicht geben. Genau das scheint aber wieder einmal passiert zu sein!

Letzte Woche musste eins der angesehensten Wissenschaftsportal schlechthin aufgrund eines Hacker-Angriffs aus dem Netz genommen werden – „EurekAlert„! Wem der Name nichts sagt, hier eine kurze Erklärung: Das Portal hat über 12.000 Mitglieder, die aus rund 90 verschiedenen Ländern komme und stellt sozusagen die zentrale Schnittstelle zwischen Fachmagazinen, wie zum Beispiel „Science“, vielen Universitäten und dem weltweiten Wissenschaftsjournalismus dar. „EurekAlert!“ symbolisiert also, salopp gesagt, das Rückgrat der Öffentlichkeitsarbeit der Wissenschaft UND erleichtert Journalisten maßgeblich die Arbeit.

„Ein Journalist kann nicht jede Woche 50 bis 100 Seiten von Fachjournalen und Universitäten abklappern“ – „Daher kam die Idee, eine einzige Plattform für den geschützten Austausch von Informationen zu schaffen.“, so Nan Broadbent von der American Association for die Advancement of Science (AAAS).

Geschützt scheint gerade aber gar nichts mehr zu sein.

Hacker meldet sich!

Mit den Worten: „Hallo Herr Hummel, ich weiß, dass Sie von eurekalert.org wegen einer Sperrfristverletzung bis Oktober ausgeschlossen sind. Wenn Sie Interesse haben, kann ich Ihnen einen Account besorgen, mit dem Sie wieder auf Informationen unter Sperrfrist zugreifen können.“ – „Das System von EurekAlert ist sehr schlecht geschützt. Es war nicht schwer, die nötigen Informationen zu sammeln. Ich habe Tausende Zugangsdaten beschaffen können.“, meldete sich ein dubioser Twitter-User, am 11. September, bei dem Welt-Journalist Philipp Hummel.

Hummel hatte, wie der Hacker richtig schreibt, aus Versehen ein Embargo verletzt und wurde daher, ab April, für 90 Tage aus dem „EurekAlert!“ Netz ausgeschlossen. Hummel zeigte sich dem Hacker gegenüber, wie er selbst in seinem „So legte ich die wichtigste Wissensseite der Welt lahm“ Artikel schreibt, interessiert und leitete parallel dazu sämtliche Informationen an Brian Lin, den Redaktionsleiter für strategische Inhaltsplanung bei „EurekAlert!“. „EurekAlert!“ wurde daraufhin direkt vom Netz genommen. Das mitunter wichtigste wissenschaftliche Informationsportal war von einem Tag auf den anderen nicht mehr zu erreichen. Stillstand. Die Sperrfristen oder Embargos besagen auf der Seite übrigens, dass Artikel zu bestimmten Themen erst zu einem gewissen Datum veröffentlicht werden dürfen. Damit diese schon vorher geschrieben werden können, gibt es Vorabinformationen.

Haupt-Kommunikations-Möglichkeit lahm gelegt!

Tausende Institutionen, Universitäten, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sowie Fachmagazine wurden ihrer Haupt-Kommunikations-Möglichkeit beraubt. Jetzt heißt es abwarten. Die Betreiber der Seite arbeiten mit Hochdruck an dem Ausbau von Sicherheitsmaßnahmen, dem Auffinden von Lücken und an der Wiederinbetriebnahme des Portals. Weshalb ein solches Portal Ziel eines Hackers wurde, lässt sich vorerst nur mutmaßen. Wollte er oder sie damit den Anfang einer „Revolte“ zu den Embargos über Wissen darstellen? Wenn ja, stellt sich die Frage, ob diese Aktion sinnvoll war. Nun steckt die Wissenschaft in diesem Bereich erst mal fest, neue Erkenntnisse kommen nicht mehr zum Vorschein, und wahrscheinlich auch nicht das Problem mit den Sperrfristen. Viele Betroffene nehmen das zum Teil mit Humor und dennoch erzürnt zur Kenntnis.

„An den Hacker von Eurekalert: Könntest Du Deine Energie bitte lieber darauf konzentrieren, die Steuerunterlagen von Donald Trump zu hacken? Wir müssen hier Wissenschaft machen.“, twitterte Paul Gabrielsen von der University of Utah.

Quellen:
http://www.eurekalert.org/offline.html
http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-20627-2016-09-16.html
https://www.welt.de/wissenschaft/article158149782/So-legte-ich-die-wichtigste-Wissensseite-der-Welt-lahm.html
http://www.ibtimes.com/eurekalert-hacked-usernames-passwords-theft-prompts-site-go-offline-2415698
http://arstechnica.co.uk/science/2016/09/eurekalert-hacked-details/

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