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Jeden Elfmeter halten

Bild: Werner100359. CC BY 3.0

Im Durchschnitt hält ein Torwart nur jeden fünften Elfmeter. Die Chancen, den Ball zu halten, können durch den richtigen Zuspruch des Trainers allerdings erhöht werden, wie ein Forscherteam um den Psychologen Maximilian Pelka von der Ruhr-Uni Bochum herausgefunden hat. Die Studie basiert auf einer Theorie des US-amerikanischen Psychologen Edward T. Higgins: Manche Menschen konzentrieren sich auf den positiven Ausgang, sie wollen einen Erfolg erreichen. Als Torwart wäre ihr Ziel, den Ball zu halten. Psychologen bezeichnen das als Streben nach Promotion. Andere konzentrieren sich darauf, einen negativen Ausgang zu verhindern. Übertragen auf den Torwart bedeutet das, sie wollen den Elfmeter nicht reinlassen. Das nennen die Psychologen das Streben nach Prävention.

Elfmeter wurden bis zu 30 Prozent öfter gehalten

In der Studie wurden 18 Jugendtorhüter aus höheren Spielklassen zunächst in oben genannte Gruppen unterteilt. Darauf folgten zehn Elfmeter auf ihr Tor. Zuvor wurden sie von ihrem Trainer eingeschworen. Für eine Gruppe der Probanden wurden Formulierungen gewählt, die auf Promotion setzten. Beispiel: „Du hältst jeden Ball!“. Der andere Teil der Torwärte wurde auf Prävention angesprochen, beispielsweise: „Du lässt keinen Ball rein!“. Das Ergebnis zeigt: Stimmte der Fokus des Spielers mit den Formulierungen des Trainers überein, war die Quote der gehaltenen Elfmeter höher. Damit wird die Theorie von Higgins bestätigt. Um wirklich statistisch wertvolle Aussagen machen zu können, war die Fallzahl in dieser Studie außerdem zu klein.

Maximilian Pelka, Hauptautor der Studie, hat für Clixoom.de ein paar Fragen beantwortet:

Clixoom: Gab es einen expliziten Vorfall, der zur Studie angeregt hat, beispielsweise die Fußball WM?
Maximilian Pelka: Die Idee zur Studie ist uns schon nach der letzten EM gekommen. Da der Elfmeter die „Vorzeige-Drucksituation“ im Fußball ist, haben wir uns ihr angenommen und die Theorien von Higgins eingebaut.

Clixoom: Wie viel macht der Zuspruch des Trainers im Vorfeld eines Spiels aus?
Maximilian Pelka: Individuelle Instruktionen bringen die Spieler auf den Weg und leiten sie an. Sobald es aber auf den Platz geht, ist jeder auf sich selbst angewiesen.

Clixoom: Funktioniert das auch über das gesamte Spiel und nicht nur für die Elfmeter?
Maximilian Pelka: Das ist die Frage, die Xavier Sanchez, mit ihm habe ich die Studie geplant, und ich uns auch direkt gestellt haben. Wir versuchen in der nahen Zukunft ein Projekt auf die Beine zu stellen, das diese Frage untersuchen soll. Grundsätzlich gehe ich aber davon aus, dass die Theorie auch auf dynamische Situationen übertragbar ist. Allerdings würde ich zwischen verschieden Situationen und Gegebenheiten differenzieren und das Spiel nicht als Ganzes sehen, da Wendungen dem Spiel ständig andere Richtungen geben können und somit auch die Ausgangslage für Instruktionen verändern.

Clixoom: WM-Viertelfinale 2006: Deutschland gegen Argentinien. Hatte der Zettel, den Andreas Köppke Nationaltorwart Jens Lehman kurz zuvor gegeben hat, einen vergleichbaren Effekt?
Maximilian Pelka: Gute Frage, aber aus wissenschaftlicher Sicht schwierig zu beantworten. Den positiven Effekt des Regulativen Fit können Studien belegen, den des Zettels können wir bestenfalls erahnen. Lehmann konnte den Zettel definitiv als Instrument nutzen, um die Schützen zu verunsichern. Mit der Erfahrung, dass die Informationen helfen, wird sich auch Lehmanns Überzeugung die Elfmeter halten zu können, gesteigert haben. Der Fit wirkt sich über viele Wege aus, zum Beispiel durch erhöhte Motivation, positive Effekte für das Arbeitsgedächtnis und so weiter.

Clixoom: Sollten Elfmeter zukünftig von vorne herein berechnet werden?
Maximilian Pelka: Ich denke, dass das unmöglich bleiben wird. Alles was geleistet werden kann, sind Hilfestellungen zu erarbeiten, die den Erfolg wahrscheinlicher werden lassen, beispielweise individuell angepasste Instruktionen. Das Duell Schütze gegen Torwart wird aber von zu vielen nicht zu kontrollierenden Variablen beeinflusst, um es berechnen zu können.


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