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Mission Rosetta: Erste Auswertung veröffentlicht

Bild: ESA/Rosetta.

Momentan beginnt die Auswertung der Daten von den 21 Messinstrumenten der Mission Rosetta. Die Ergebnisse für sieben der elf Instrumente auf der Rosetta-Sonde sind im Fachmagazin Science in einer Sonderausgabe veröffentlicht worden. Der extrem dunkle Komet Churyumov-Gerasimenko zeigt sich dabei als sehr heterogener Körper mit einer abwechslungsreichen Oberfläche, einer Koma mit Variationen und Gänsehaut-ähnlichen Strukturen, welche die Forscher bislang nicht erklären können. „Zurzeit analysieren und diskutieren wir bereits die nächsten Daten“, sagt DLR-Kometenforscher Dr. Ekkehard Kührt, der die wissenschaftlichen Beteiligungen des DLR an der Rosetta-Mission leitet. „Churyumov-Gerasimenko hat noch Vieles, was es zu entschlüsseln gilt.“

„Wenig oder überhaupt kein Wassereis an der unmittelbaren Oberfläche des Kometenkerns“

Der Komet 67P/Churyumow-Gerasimenko gehört zu den dunkelsten Objekten in unserem Sonnensystem. Mit dem Spektrometer VIRTIS (Visible, Infrared and Thermal Imaging Spectrometer) wurde die Reflexion des Sonnenlichts gemessen. Sie betrug gerade einmal sechs Prozent. Eine mögliche Ursache dafür ist eine Zusammensetzung der Oberfläche aus dunklen Materialien, wie Eisensulfiden, dunklen Silikaten und kohlenstoffreichen Verbindungen. „Sehr wahrscheinlich ist auch nur wenig oder überhaupt kein Wassereis an der unmittelbaren Oberfläche des Kometenkerns“, sagt DLR-Wissenschaftlerin Dr. Gabriele Arnold vom VIRTIS-Team. „Es ist aber zweifelsohne im Inneren Wassereis vorhanden.“ Bei seiner Reise durch das Sonnensystem hat Churyumov-Gerasimenko wohl einen Großteil des Wassereises in seinen äußeren Schichten durch den direkten Übergang von einem festen zu einem gasförmigen Zustand verloren.

„Eine der interessantesten Entdeckungen ist aber der Nachweis von langkettigen Kohlenwasserstoffverbindungen“, sagt die Planetenforscherin. Damit konnte die Existenz solcher organischen Verbindungen – Vorläufer von Aminosäuren – auf einer Kometenoberfläche festgestellt werden. Von der Erde aus ist dies nicht möglich. „Die Bildung solcher Verbindungen erfordert komplexe Reaktionen unter Wirkung von UV- oder kosmischer Strahlung bei tiefen Temperaturen, wie sie nur in den äußeren Regionen des Sonnensystems jenseits des Neptunorbits vorherrschen.“

Kometen-Koma setzt sich aus Wasser, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid zusammen

Die Messungen mit ROSINA, einem Massenspektrometer, ergaben, dass sich der Schweif des Kometen vor allem durch Wasser, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid bildet. „Interessant ist, dass sich das Massenverhältnis dieser drei Bestandteile über einen Kometentag hinweg stark ändert“, erklärt DLR-Kometenforscher Dr. Ekkehard Kührt aus dem ROSINA-Wissenschaftlerteam. Je nach Ausrichtung des Kometen erfasste ROSINA unterschiedliche Zusammensetzung der Stoffe aus dem Schweif. „Das deutet darauf hin, dass die Eise, aus denen die Gasmoleküle stammen, ungleich im Kern verteilt sind.“ Im weiteren Verlauf der Mission soll herausgefunden werden, ob diese Heterogenität ein Ergebnis der Entstehung des Kometen vor vielen Milliarden Jahre ist oder ob spätere Differenzierungsprozesse dafür verantwortlich sind.

Die Bilder der OSIRIS-Kamera zeigte, wie unterschiedlich die einzelnen Regionen auf dem Kometen strukturiert sind. Rund 70 Prozent der Kometenoberfläche sind schon erfasst worden. die südliche Hemisphäre konnte aufgrund der schlechten Beleuchtung bislang nicht abgebildet werden. Insgesamt kamen die Forscher auf 19 verschiedene Regionen, die nach ägyptischen Gottheiten benannt wurden. In einer groben Einordnung ergaben sich bei der Auswertung der Kamera-Bilder fünf vorherrschende verschiedene Oberflächentypen: die staubbedeckten Gebiete, bröckeliges Material, großflächige Vertiefungen, glattes Gelände und freiliegende kompakte Strukturen. „Die Oberfläche des Kometen ist extrem abwechslungsreich und keineswegs einheitlich“, so DLR-Kometenforscher Kührt. Zu sehen sind auf den OSIRIS-Aufnahmen auch dünenähnliche Wellen oder auch Gänsehaut-ähnliche Erhöhungen mit einem Durchmesser von rund drei Metern – deren Entstehungsprozess muss allerdings noch erforscht und erklärt werden.

Entstehung des Kometen-Körpers ungewiss

Nach wie vor rätseln die Wissenschaftler, wie der ungewöhnliche Körperbau des Kometen entstanden ist. Der Komet hat einen Kopf sowie einen größeren Körper. Die beiden Bestandteile sind über einen schmalen Hals miteinander verbunden. Möglich wäre, dass sich der Komet aus beiden Einzelteilen gebildet hat und so zu einem wurde. Aus den Beobachtungen wird jedenfalls deutlich, dass der „Hals“ des Kometen die aktivste Zone von 67P/Churyumow-Gerasimenko ist, in der Gas ausströmt und Staubteilchen ins all gerissen werden. „Wir werden die bisher erfassten Daten von der Annäherung, dem Orbit und der Landung weiterhin analysieren und sicherlich noch mehr über Churyumov-Gerasimenko und somit über die Entstehung unseres Sonnensystems erfahren“, ist sich Kometenforscher Dr. Ekkehard Kührt vom DLR-Institut für Planetenforschung sicher.

Mehr in der Artikelserie zur Mission Rosetta im Fachmagazin Science.

Alle Meldungen zum Thema Rosetta bei Clixoom.de.

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