Modernes Telefonieren

Kaum zu glauben, aber früher konnte man nicht zeitgleich Telefonieren und das Internet nutzen. Das war besonders dramatisch, wenn man online zocken wollte, jedoch die Schwester nebenan stundenlang mit ihrem Freund telefonierte. Außerdem war das Internet lahm und Verbindungsprobleme standen an der Tagesordnung. Damals war ISDN und DSL die Revolution, die uns das heutige Internet ermöglicht. Die wenigsten sind sich aber dessen bewusst, dass die nächste große Veränderung kurz bevor steht. Das Stichwort lautet „Voice over IP“ – auf Deutsch: „Stimme über das Internet Protokoll“. Damit bewältigen wir gleich mehrere Probleme. Jeder kennt es: Am Telefon hören sich die Leute nie wirklich echt an, was zwar Telefonstreiche einfach, aber das Telefonieren selbst eher unnatürlich macht.

Das Telefonieren der Zukunft

Was bald passieren wird, ist, dass die gesamte Telefonie nicht mehr ihre eigene, alte Netz-Technologie nutzt, sondern ebenfalls über das Internet übertragen wird. Weniger unterschiedliche Netz-Technologien bedeuten schon mal weniger Fehlerquellen, was wiederum unseren ersten Vorteil ermöglicht: zufriedene Gamer wegen stabileren und schnelleren Internet. Heute hört sich ein Telefonat noch etwas verzerrt an. Aus dem einfachen Grund, dass beim Telefonieren nur die wichtigsten Frequenzbereiche isoliert werden, da das ansonsten zu viel für das Telefonnetz wäre. Doch das Schöne ist, wenn wir bald die Telefonie über das Internet Protokoll übertragen, können wir eine viel größere Bandbreite nutzen, also mehr Daten schneller verschicken und können deswegen alle Frequenzen der Stimme mitnehmen – was unser zweiter Punkt ist: keine stimmlichen Missverständnisse mehr bei Telefonaten.

Wie an einer Supermarktkasse

Man könnt jetzt denken, die Telefonie zum Internet zu packen könnte die fließende Abwicklung bei den Telefonaten gefährden. Bisher wurden ja alle Datenpakete gleichberechtigt nacheinander bearbeitet – wie an der Supermarktkasse: Wer zuerst kommt, ist zuerst dran. In Zukunft aber werden die kleinen Sprach-Pakete vorgelassen, als ob eben noch eine Schnellkasse aufmacht. So läuft jedes Telefongespräch flüssig, ohne dass der Internet-Datenverkehr ins Stocken kommt. Weniger Fehler und stabilere Netzte brauchen wir aber auch dringend. Wir stehen nämlich so langsam vor einem Problem. Es gibt immer mehr Kleinkinder mit Smartphones, Rentner die dieses Facebook verstehen wollen und – das ist kein Witz: Kühlschränke mit Webadresse. Der weltweite Datenhunger wird mehr und mehr und dem müssen wir entgegenwirken.

Und diese Umstellung des Netzes auf IP ist gar nicht mal so weit weg. Da die Telekom plant, bis 2018 alle Anschlüsse umzustellen, werden dann irgendwann wir der neuen Generation, die nicht mehr weiß, dass das Handy eigentlich mal zum Telefonieren gedacht war, von unseren Telefonaten mit kleinen Frequenzbereichen und Missverständnissen erzählen können.

Vielen Dank an Leon vom Kanal 100SekundenPhysik für diesen Beitrag!

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