Schwarze Löcher, Riesenwellen und Wurmlöcher – INTERSTELLAR Faktencheck

Interstellar – Noch nie gab es einen Science Fiction Film, bei dem die Astrophysik eine so große Rolle gespielt hat. Und es wohl auch der erste Spielfilm in der Filmgeschichte, der der Astrophysik entscheidene Impulse gegeben hat.

Das ist wirklich ein aussergewöhnlicher Film. Nicht nur seine Länge mit knapp drei Stunden sprengt den Rahmen, sondern auch seine enge Verknüpfung mit der Wissenschaft. Kip Thorne einer der Topexperten für Schwarze Löcher und Wurmlöcher war nicht nur Berater bei diesem Film, sondern auch Ausführender Produzent. Zusammen mit Stephen Hawking hat er 2004 die Wette über den Informationsverlust in Schwarzen Löchern verloren. Für Interstellar entwarf er die Konzepte und Visualisierung des Wurmloches und des Schwarzen Loches Gargantua. Wie durchdacht Interstellar aber ist zeigt sich bei der Landung auf dem ersten Planeten. Er befindet sich so nah am Schwarzen Loch, dass dort die Zeitdillatation eine große Rolle spielt. Die Gravitation des Loches ist dort so stark, dass eine Stunde dort, sieben Jahre in der Schwerelosigkeit gleichen. In einem halben Tag vergeht also ausserhalb des Planeten ein Menschenlaben, auf dem Planeten sind es aber nur zwölf Stunden. Das ist die Allgemeine Relativitätstheorie: Gravitation hat die gleichen Auswirkungen, wie das Reisen mit hoher Geschwindigkeit: Die Uhren gehen langsamer. Das wirkt sich übrigens schon hier auf der Erde aus. GPS-Satelliten müssen mit langsamer gehenden Uhren arbeiten, damit sie mit der Zeit hier auf der Erde synchron laufen. Die Gravitation auf der Erde verlangsamt alles. Faktencheck also: Korrekt!

Aber noch etwas ist auf dem Planeten seltsam: Wellen so hoch wie Berge. Eine geniale Idee und absolut realistisch. Genau das gleiche gibt es hier auf der Erde: Gezeiten, Ebbe und Flut. So erleben wir dieses Phänomen. Aber eigentlich ist es etwas ganz anderes. Das Wasser geht eigentlich gar nicht zurück und kommt wieder, sondern der Mond zieht mit seiner Gravitation so an unserer Erde, so dass eine Beule zum Mond hin in unseren Meeren entsteht. Und diese Erhebung ist immer konstant an der Stelle über der der Mond steht. Erde und Mond drehen sich also und die Beule bleibt immer dem Mond zugewandt. Genauso ist es bei Interstellar. Nur, dass die Gravitation des Schwarzen Loches so stark ist, dass die Beule eine riesige Welle ist, die sich hunderte Meter über die Planetenoberfläche erhebt. Faktencheck: Korrekt! Hochspekulativ dagegen: Das Wurmloch.

Hochspekulativ dagegen: Das Wurmloch. Ein Wurmloch ist eine Verbindung zwischen zwei Orten, die beliebig weit voneinander entfernt sein können. Im Film wird das so erklärt: Ich falte den Raum, wie ein zweidimensionales Blatt und bohre ein Loch hindurch, ein Wurmloch. Im dreidimensionalen Raum ist das eine Kugel. Soweit so gut. So könnte man tatsächlich von einem Ende des Universums zum anderen Ende reisen und das in Sekundenbruchteilen. Aber was ist nötig, um ein Wurmloch zu bauen? Kurz zur Theorie von Wurmlöchern: Hierbei handelt es sich um die Verbindung zwischen einem Schwarzen und einem Weissen Loch. Das Schwarze Loch absorbiert alles und das Weisse Loch stösst alles aus. Erstmal eine Einbahnstrasse. Zudem sind diese Wurmlöcher extrem instabil, d.h. sie haben kein festgelegtes Ziel und kollabieren höchstwahrscheinlich in dem Moment, in dem Materie hineingelangt, also z.B. ein Raumschiff. Kip Thorne hat sich als Wissenschaftler lange mit dieser Problematik beschäftigt und ein paar Ideen entwickelt, wie man diese Probleme löst. Die Instabilität will er mit sogenannter exotischer Materie lösen, die antigravitativ wirkt. Wie man diese herstellt weiß heute aber noch niemand und auch die Menge, wie benötigt würde, wäre die von mehreren Planeten. Faktencheck: spekulativ!

Das Schwarze Loch Gargantua!… Das ist der absolute Hammer. Wir haben ja schon immer mal wieder Animationen von schwarzen Löchern hier bei Clixoom gezeigt, aber so realistisch ist noch nie ein Schwarzes Loch animiert worden. Was nämlich bisher noch nie so gut berücksichtigt wurde, wie bei Interstellar, ist die Wirkung eines Schwarzen Loches als Gravitationslinse. Die Gravitation zieht Licht an und lenkt es ab. Das führt dazu, dass Objekte hinter einem Gestirn zu sehen sind. Bei einer Sonnenfinsternis z.B. können Sterne hinter der Sonne beobachtet werden. Bei einem Schwarzen Loch ist diese Wirkung noch viel stärker. Nicht nur die Sterne und Galaxien hinter dem Loch werden gesehen, sondern auch alles, was sich direkt hinter dem Loch befindet. Um jedes Schwarze Loch bildet sich eine Akkretionsscheibe. In dieser Scheibe sammelt sich die Materie, die in das Loch gezogen wird. Sie heizt sich auf und leuchtet deshalb. Diese Scheibe ist durch die Wirkung des Loches als Gravitationslinse auch über dem Loch zu sehen. Das heisst, der Teil, der sich eigentlich hinter dem Loch befindet ist über ihm zu sehen. Kip Thorne war das absolut klar: „Intellektuell hatte ich das begriffen. Aber es zu wissen ist ganz anders als es zu sehen“ sagt er. Zum ersten Mal ist also in Interstellar ein Schwarzes Loch so zu sehen, wie es wahrscheinlich wirklich aussieht. Faktencheck: Korrekt! Interstellar ist ein Spielfilm, der es schafft, die Relativitätstheorie in einer spannenden Handlung begreifbar werden zu lassen.

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